Elektrischer Schwingkreis 2

 

Energetische Betrachtung

 

Ungedämpfter elektrischer Schwingkreis

 

Vorbemerkungen

 

Wir wollen uns zunächst einmal einen ungedämpften elektrischen

Schwingkreis ansehen, d.h. es liegt kein Ohmscher Widerstand

innerhalb des Stromkreises vor. Dies ist natürlich ein unrealistischer

Idealfall, weil die Spule aufgrund ihrer Wicklungen immer einen

Ohmschen Widerstand aufweist.

Wir wenden uns dabei vor allem den Energien zu, die im Schwingkreis

auftreten. Welche Energien liegen vor? Welche Umwandlungen finden

statt? Hierzu kann man sich eine sehr anschauliche Animation von

Walter Fendt ansehen.

Anschließend gibt es noch zwei Extra-Kapitel.

1.) Die Thomsonsche Schwingungsgleichung kann bei Rückblick auf

den Resonanzfall im Wechselstromkreis extrem schnell hergeleitet

werden.

2.) Aus den Betrachtungen zu den Energien kann man auch schon

eine Differentialgleichung für die Ladungsmenge Q(t) herleiten, wobei

dies über die Maschenregel sicherlich viel schneller geht.

 

Energiebetrachtungen

Wir können zur Energiebetrachtung uns an folgender Abbildung orien-

tieren.(Quelle: Ausschnitte aus Applet „Elektromagnetische Schwingungen“ von Walter Fendt)

1.) 0 ≤ t ≤ T/4

Der Schalter wird umgelegt. Der Kondensator ist von der äußeren

Quelle voll aufgeladen worden. Die gesamte Energie steckt jetzt als

elektrische Energie im Kondensator. Es gilt EC = ½ ∙ C ∙ (UC,max)2 mit

UC.max = U0 = Spannung der äußeren Quelle. (Link: Energie Kondensator)

Die Ladungen fließen vom Kondensator ab. Es tritt plötzlich ein Strom-

fluss auf. Dieser Stromfluss führt zu einer plötzlichen Magnetfeld-

änderung in der Spule. Nach der Lenzschen Regel versucht die Spule

dem Magnetfeldanstieg und somit dem Stromanstieg entgegenzu-

wirken. Der Stromfluss nimmt nur langsam zu.

Hinweis: Es liegen also ganz andere Verhältnisse als beim normalen Entladen eines Konden-

sators vor.

Die Stromstärke nimmt allmählich bis zum Maximum zu (Sinuskurve).

Zum Zeitpunkt t = T/4 ist der Kondensator vollständig entladen, die

Stromstärke ist maximal, das Magnetfeld hat den größten Wert. Die

Energie ist vollständig im Magnetfeld gespeichert.

Es gilt EL = ½ ∙ L ∙ (Imax)2

(Link: Energie einer Spule)

 

2.) T/4 ≤ t ≤ T/2

Der Strom fließt weiter und lädt jetzt den Kondensator wieder auf.

Allerdings mit einer anderen Polung als bei t = 0 s. Dadurch nimmt die

Stromstärke ab. Es sind Ladungen auf den Kondensator aufgeflossen.

Da die Stromstärke abnimmt, nimmt auch die Magnetfeldstärke ab.

Es ergibt sich eine Induktionsspannung, die nach der Lenzschen

Regel den Stromfluss aufrechterhalten will. Die Stromstärke nimmt

langsam ab (Sinuskurve). Magnetische Energie wird abgebaut und

elektrische Energie aufgebaut. Bei t = T/2 ist der Kondensator wieder

vollständig geladen. Die Spule weist kein Magnetfeld auf. Die Strom-

stärke beträgt 0 A.

 

3.) T/2 ≤ t ≤ ¾ T

Alles beginnt wieder von vorne. Nur in der entgegengesetzten Rich-

tung usw. usw.

 

Zusammenfassung

 

 

Beim elektrischen Schwingkreis wird laufend

elektrische Energie in magnetische Energie

umgewandelt. Die Energie ist die ganze Zeit

konstant und entspricht der Energie, die am

Anfang von der äußeren Spannungsquelle

zugegeben wurde.

 

 

Formelmäßig sieht das dann so aus:

 

Walter Fendt hat dazu schon vor längerer Zeit ein sehr schönes Applet

erstellt. Sie müssen nur auf das Bild klicken!

                        Hinweis: Stellen Sie auf Zeitlupe 100x und Energie ein

 

Zusatzmaterial

 

1.) Frequenz des Schwingkreises (Thomsonsche Schwingungsformel)

Es handelt sich um Zusatzstoff, d.h. man braucht dies nicht unbedingt

zu bearbeiten, um das Thema weiter zu verstehen. Wir kommen später

noch einmal im normalen Ablauf darauf in anderer Form zurück.

Man kann am Kapitel „Wechselstromphysik 10 Resonanz“ direkt an-

knüpfen. Problem: dies ist nicht mehr Stoff in der Oberstufenphysik.

 

Im Folgenden sieht man noch einmal den Aufbau eines solchen

Parallelkreises, wie er im Kapitel zum Wechselstrom dargestellt wird.

 

Außerdem ist noch einmal der letzte Abschnitt dieses Kapitels ein-

gefügt. Es geht dabei um ein Video aus „Physik mit c“, indem der

Resonanzfall schön gezeigt wird, nämlich dann, wenn kaum noch

Strom im Gesamtstromkreis fließt

Quelle: Ausschnitt aus YouTube

 

Im Resonanzfall ist also so, dass im Parallelkreis eine elektrische

Schwingung stattfindet. Dieser Stromkreis schwingt sozusagen autark.

Er bildet für den Parallelzweig einen unendlich großen Widerstand.

Es kann kein Strom mehr durch diese Zweige fließen. Ein Stromfluss

ist nur noch über den Ohmschen Widerstand möglich.

In diesem Fall sind die Impedanzen von Spule und Kondensator gleich

groß und es liegt die Resonanzfrequenz vor, die in unserem Fall der

Schwingungsfrequenz entspricht.

Wir haben im Kapitel 10 der Wechselstromphysik diese Frequenz

schon berechnet und Thomsonsche Schwingungsformel genannt.

Es gilt also

 

 

Dies ist also die Frequenz, mit der der ungedämpfte Schwingkreis

schwingt.

 

2.) Herleitung der Differentialgleichung (DGL) aus der Energieerhaltung

Im Prinzip lässt sich die DGL deutlich schneller mit der Maschenregel

gewinnen (s. nächstes Kapitel). Wer einmal sehen will, dass es auch

mit der Energieerhaltung geht, sollte hier weiterlesen.

Wir kommen im nächsten Kapitel noch einmal darauf zurück.

 

 

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